TBA – Trauerbegleiter-Ausbildung

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TRAUERNDE UND IHRE BEGLEITUNG | AUSGANGSPUNKTE – LEITLINIEN – ZIELE


TRAUERNDE UND IHRE BEGLEITUNG

"Der Weg nach Emmaus"
– das Zeichen des Instituts für Trauerarbeit (siehe nebenstehende Grafik)

Nur zwei Schemen zeigt die Zeichnung zuerst, inspiriert durch die Geschichte der trauernden Jünger. Diese Menschen haben ihren wichtigsten Ergänzer, den sie lieb hatten, durch Mord verloren. Sie gehen zurück, dahin, woher sie einst gekommen sind. Von Jerusalem nach Emmaus. So berichtet die alte Geschichte.

Der Emmausweg ist der Trauerweg par excellence. Man kann vom Ort des Todes weggehen, aber die Trauer nimmt man mit. Wer Trauerbegleitung erfahren und lernen will, könnte in diese Geschichte einsteigen, könnte sogar selber den Weg mitgehen.
 
Es haben sich immerhin zwei zusammengeschlossen, um einander von dem schrecklichen Ereignis zu berichten, erste Worte zu finden nach Entsetzen und Sprachlosigkeit, erstes Miteinanderteilen. Gleich dreimal taucht in den Sätzen der alten Geschichte das Reden und Erzählen auf, wichtigster Teil eines Weggeschehens. Hier werden Sterbe- und Lebensgeschichten erzählt.
 
Interessant für alle Zeiten ist der Dritte oder das Dritte oder die Dritte. „Es sind die Toten, die mit uns gehen und auf dem Weg erscheinen“, hat jemand in unserer Arbeit gesagt. Trauernde sehen anders als Nicht-Trauernde, sehen eben auch, wenn etwas hinzutritt, was sie vermissen, was sie geliebt haben und wonach sie sich sehnen. Ihnen muss man nicht erst die Augen öffnen.
 
Von dem, was Trauernde sehen und hören, von ihren „brennenden Herzen“ und ihrer Sehnsucht nach Mitteilung kann die Trauerbegleitung lernen. Bei den Erlebnissen von Trauernden mag die Trauerbegleitung in die Schule gehen. Den Trauernden gilt unsere Bitte: Bleibt bei uns, damit wir mit euch zusammen „das Brot brechen können“. 

Hören wir also auf das, was die Trauernden zu erzählen haben, wem sie begegnen auf ihrem Weg und wann ihr Herz brennt. Sie und wir leben in Trauer und Begleitung von der Begegnung mit jenem geheimnisvollen Dritten. Das wollen wir nicht vergessen.

Wolfgang Teichert, Pastor und
ehemaliger Vorsitzender des Instituts für Trauerarbeit (ITA) e.V.

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AUSGANGANGSPUNKT – LEITLINIEN – ZIELE

Vor etwa 20 Jahren entwickelte sich die Trauerbegleitung in der Evangelischen Akademie Nordelbien. Im Rahmen eines damals zeitgemäßen Seminars „Umgang mit Sterbenden“ wurde die Frage nach der Begleitung von trauernden Angehörigen gestellt. Dieses war die Initialzündung für die „Verwaisten Eltern“, ein besonderes Angebot für Eltern, die ein Kind verloren haben und bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Unterstützung bekamen. Zunächst zu Vorträgen über Trauer eingeladen, forderten die Eltern bald Gruppen, in denen sie selbst sprechen konnten und gehört wurden.
 
Viele Menschen nahmen die Idee der „Verwaisten Eltern“ auf und starteten Initiativen in ihrer Region. Inzwischen sind es etwa 300 Gruppen. Vom Institut für Trauerarbeit (ITA) e.V. wurden zusätzlich Angebote für trauernde Geschwister, Trauer nach PartnerInverlust, nach dem Tod der Eltern und für trauernde Männer entwickelt. Bald fragten BegleiterInnen nach Unterstützung und Fortbildung. Aus anfänglichen Veröffentlichungen und Wochenendseminaren entwickelte sich 1989 die TrauerbegleiterInnen-Ausbildung. Hierbei handelt es sich um ein ständig weiterzuentwickelndes Curriculum, das aus der Praxis entstanden ist und den Anforderungen der Praxis standhalten muss.
 
Die Frage tauchte auf, weshalb es nötig ist, Trauerbegleitung anzubieten und dafür Menschen auszubilden. Die Antwort: Damals wurden in unserer Gesellschaft Sterben und Tod ausgegrenzt, es gab keine Trauerkultur und schützende Räume für trauernde Menschen. Einzelberatung, regelmäßige Gruppenangebote und Wochenendseminare traten an die Stelle vergangener Rituale. Sie gaben den Raum, die eigene Trauer zu fühlen, sich mit ihr auseinanderzusetzen und anderen zu begegnen. Inzwischen sind diese Gruppenangebote selbstverständlich geworden. Es bleibt weiter ein zentrales Anliegen von ITA, eine besondere Haltung der TrauerbegleiterInnen zu etablieren.
 
Da Trauer ein komplexes Geschehen ist, sind wir der Meinung, dass es nicht eine Theorie oder Methode der Begleitung gibt, sondern sich das Wesentliche durch die Persönlichkeit und Identität des Begleiters/der Begleiterin vollzieht. Trauernde Menschen zu begleiten verlangt zu allererst Authentizität und die Bereitschaft, Leid nicht „wegmachen“ zu wollen, sondern mit auszuhalten. Das Sicheinlassen auf schwere und lange Wege der Trauer heißt, sich in der
Ausbildung mit eigenen Verlustkrisen und Trauererfahrungen (Selbsterfahrung) auseinanderzusetzen, mit den Inhalten und Ergebnissen der Trauerforschung (Information) zu arbeiten und deren Anwendbarkeit in der Praxis (Reflexion) zu überprüfen. Dieses Lerndreieck verlangt von den Auszubildenden eine große Flexibilität, da sie sich auf unterschiedlichen Ebenen innerhalb einer Ausbildungseinheit bewegen müssen.
 
Hauptziel der Ausbildung ist es, BegleiterInnen nicht in einer therapeutischen Methode zu schulen, sondern sie zu befähigen, den Menschen in seiner Einzigartigkeit wahrzunehmen, ihn in seinem Trauerprozess zu begleiten, indem Hilfe gegeben wird, das Gegenwärtige auszusprechen und zu bedenken, um dann eigene Schritte gehen zu können. Ziel ist das Aushalten und Annehmen. Nicht die BegleiterInnen wissen, was für die Trauernden gut ist, sondern die Trauernden wissen es in ihrem Inneren selbst. Die BegleiterInnen stellen sich als Gegenüber zur Verfügung mit ihrer Aufmerksamkeit, Intuition und mit allem, was sie gelernt haben (Zuhören, Nachfragen, Schreiben, Malen, Musik, Bücher, Texte, Rituale, Gedichte und vieles mehr).
 
Die zweijährige Gesamtausbildung unterteilt sich in elf Einheiten, jeweils mit einem eigenen Schwerpunkt. Die Einheiten haben sich aus den Erfahrungen in der Trauerbegleitung entwickelt, unterliegen der ständigen Weiterentwicklung und werden von unterschiedlichen ReferentInnen vermittelt, die sich in ihrem Fachgebiet und in der Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer besonders qualifiziert haben. Sie vertreten verschiedene Aspekte der Trauerbegleitung.
 
Allen gemeinsam ist die oben beschriebene Grundhaltung. Der Gesamtkurs wird von den AusbildungsleiterInnen begleitet, die die inhaltliche Verbindung der einzelnen Einheiten gewährleisten, Übergänge vermitteln und den gruppendynamischen Prozess reflektieren. Durch die internationalen ReferentInnen, die Teilnahme an den internationalen Kongressen in London und Ontario/Kanada fließen die Ergebnisse der internationalen Trauerforschung ein.
 
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung sind alle TeilnehmerInnen befähigt, eigenverantwortlich Trauernde einzeln und in Gruppen zu begleiten.
Die Ausbildung entspricht der „Großen Basisqualifikation“ für Trauerbegleiter, qualifiziert und zertifiziert nach den Standards des Bundesverbandes Trauerbegleitung e.V. (BVT).
 

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